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Schritt 3: Basistechnologien

    Die Basistechnologie bestimmt im Wesentlichen die Möglichkeiten die ein Smarthome bietet. Wobei es durchaus üblich ist nicht auf eine Technik zu setzen sondern auf mehrere Verschiedene. Aber ein kompletter Wechsel der Basistechnologie ist häufig nur durch Neukauf mit entsprechenden Folgekosten möglich. Ein schrittweiser Wechsel ist möglich, wenn die bisher eingesetzt Technik, auch andere Technologien integriert, was aber bei proprietären, nur von einem Hersteller verkauften Systemen nicht oder nur schwierig möglich ist.

    Installationsarten in einem Smarthome

    Grundsätzlich wird zwischen drahtgebundenen und drahtlosen Systemen unterschieden. Die drahtlosen Systeme werden immer dezentral ausgeführt, für die drahtgenbunden ist eine zentrale oder dezentrale Installation möglich. Wie im vorherigen Schritt schon beschrieben, sollte einer zentralen Installation der Vorzug gegeben werden, da die niedrigeren Kosten pro (Aktor-)Kanal und die höhere Flexibilität, den Nachteil der höheren Kosten für die Leitungsverlegung ausgleichen.

    Bei der Auswahl der geeigneten Basistechnologie sind die folgende Aspekte zu berücksichtigen:

    • Interoperabilität
      Die Interoperabilität bezieht sich auf die Möglichkeit z. B. über Gateways oder die zentrale Steuerung fremde Systeme zu integrieren. Auch der umgekehrte Fall, die Integration in andere Systeme sollte betrachtet werden. Ein gutes System sollte viele Möglichkeiten der Einbindung von fremder Systeme bieten, um flexibel auf zukünftige Technologien zu reagieren. Von Vorteil ist auch, wenn das jeweilige System offene Schnittstellen (API) bietet, über die weitere Anbieter ihre Systeme anbinden können.
    • Hersteller
      Viele Smarthome-Systeme werden nur von einem Hersteller entwickelt und vertrieben, sollte ein Produkt eingestellt werden, ist eine Anpassung an zukünftige Entwicklungen nicht mehr möglich und bei einem Ausfall oder einer Erweiterung sind die Komponenten allenfalls noch über den Gebrauchtmarkt zu bekommen. Dies ist wesentlicher Aspekt, da einzelne Smarthome-Komponenten für 20 und mehr Jahre im Einsatz sein können und die gesamte Basistechnologie noch länger. Dies gilt insbesondere für die kabelgebundenen Systemen. Wird ein System von mehreren Herstellern vertrieben bzw. unterstützt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß auch in vielen Jahren moderne Komponenten zu bekommen sind.
    • Cloud-Nutzung
      Die Anbindung an eine Hersteller-Cloud ist per se nicht schlecht, so erleichtert dies viele Anwendungen z. B. zur Einbindung von Sprachsteuerungssystemen. Wenn ein Hersteller die Unterstützung für ein Produkt einstellt, wird in der Regel auch nach kurzer oder längere Zeit die Cloud-Unterstützung eingestellt. Damit geht der Verlust der vollständigen oder teilweisen Funktion verloren und die Komponente muss ausgetauscht werden. Bei der vorher erwähnten langen Einsatzzeit vieler Geräte sollten zumindest die Basisfunktionen ohne Cloud-Anbindung nutzbar sein.
    • Zentrale Steuerung
      Neben einer zentralen oder dezentralen Elektroinstallation, kann auch die Steuerung der Smarthome-Komponenten unterschiedlich realisiert sein. Entweder enthält jede Komponente eine gewisse „Intelligenz“, sprich zwei Komponenten können ohne zentrale Instanz Informationen austauschen und darauf reagieren oder die Kommunikation läuft über eine extra Steuerung. Letzteres hat den Nachteil, dass bei Ausfall der Steuerung, z. B. das Licht nicht mehr eingeschaltet werden kann. Ganz ohne zentrale Steuerung lässt sich aber kein modernes Smarthome realisieren, daher sollte gewährleistet sein, dass beim Ausfall der Zentralinstanz die Basisfunktionen noch funktionieren. Dieser Punkt sollte nicht zu hoch bewertet werden, da in der Praxis die zentralen Steuerungen sehr zuverlässig sind.
    • Verbreitung und Verfügbarkeit
      Ein großer Marktanteil und wie lange ein System schon verfügbar ist sagt noch nichts über die Zukunft aus, ist aber ein Indiz für eine positive Entwicklung in der Zukunft.

    Für die Übertragung der Informationen werden verschiedene Medien eingesetzt, bei drahtgebundenen Systemen entweder eine extra Leitungen (z. B. bei KNX, Loxone) oder es werden einzelnen freie Adern einer Stromleitung (z. B. DALI, LCN) oder die Stromleitung selbst (z. B. digitalSTROM) zur Datenübertragung verwendet. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene Smarthome-Systeme. Die drahtlosen Systeme nutzen dem hingegen verschiedene Frequenzbereiche und je mehr Geräte ein Frequenzbereich gleichzeitig nutzen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit mit Problemen bei der Zuverlässigkeit (Störungen).

    SystemHersteller/MarkenEinsatzgebietMediumStrukturSchnittstellenLogikengineVisualisierungSprachsteuerung
    Busch-free@homeBusch-JaegerBeleuchtung, Rollläden/Jalousie, Heizung/Klima, Türkommunikation, Taster, Wetterstation, ...kabelgebunden: Busleitung 2-adrigdezentral, beliebige Topologie, außer RingPhilips-Hue, SonosdezentralBusch-free@homePanel Alexa, Google Assistant
    DALIHager, Eltako, Osram, Busch-Jaeger/ABB, ...Beleuchtungkabelgebunden: 230V Stromnetz (zwei Adern für die Datenübertragung) oder eine extra Leitungzentral, beliebige Topologie, außer RingSubsystem, Integration über andere Systeme---
    DECT-ULEAVM Fritz!Box Smarthome, Telekom, PanasonicBeleuchtung, Steckdosen, Thermostatedrahtlos: 1900MHzzentral--FritzBox-
    digitalSTROMdigitalSTROMBeleuchtung, Rollläden/Jalousie, Heizung/Klimakabelgebunden: 230V Stromnetz (Powerline), Ethernetdezentral, beliebige Topologie, ein zentraler Server ist nicht zwingend erforderlichKNX, DALI, EnOcean, Sonos, Philips Hue, ...digitalSTROM-Server (dSS)externextern
    EnOceanEltako, Hager, Gira, Hoppe, Theben, ...Beleuchtung, Temperatur, Taster, ...
    (energieautark)
    drahtlos: 868,3MHzdezentral, 30m ReichweiteSubsystem, KNX, TCP/IP, ...---
    HomematiceQ-3, ELVBeleuchtung, Heizung/Klima, Sicherheit, Verschlusstechnik, Wetter, ...drahtlos: 868,3MHz (Homematic, Homematic IP)
    drahtgebunden: Busleitung 4-adrig, (Homematik IP wired)
    dezentral oder zentral, 30m Reichweite-CCU3CCU3, App (Homematic IP Access Point)Alexa, Google Assistant (über Homematic IP Access Point)
    innogy SmartHomeinnogyBeleuchtung, Rollladen/Jalousie, Heizung, Tür-/Fensterkontakte, Sensoren, ...drahtlos: 868,3MHzzentral: innogy SmartHome ZentraleHomematic IP, Philips HUE, Bluetooth, ...innogy SmartHome Zentraleinnogy SmartHome ZentraleAlexa, Google Assistant
    KNXHager, Gira, MDT, Busch-Jaeger/ABB, Siemens, EsyLux, Theben, ...Beleuchtung, Rollläden/Jalousie, Heizung/Klima, Multiroom, Taster, Wetterstation, Sensoren, ...drahgebunden: Busleitung 4-adrig (KNX TP), Ethernet (KNX IP) oder Stromleitung (KNX PL)
    drahtlos: 868,3MHz (KNX-RF)
    dezentral oder zentral, beliebige Topologie, außer RingDALI, DMX, EnOcean, ZigBee, Z-Wave, Loxone, ...dezentral oder zentralGira X1, MDT Visu-Control, Jung Smart Visu Server, ...Alexa, Google Assistant, Homekit (z. B. Busch-VoiceControl KNX)
    LCNIssendorfBeleuchtung, Rollladen/Jalousie, Temperatursensor, Wetterstation, Taster, LED, Zugangssysteme, Relais-Module, ...kabelgebunden: 230V Stromnetz (eine freie Ader wird für die Datenübertragung genutzt),
    LWL
    dezentral, beliebige Topologie, ein zentraler Server ist nicht zwingend erforderlichDALI, DMXdezentral programmiert mit der LCN-Programmiersoftware (LCN-PRO)LCN-GVS(home) (Web)extern
    LoxoneLoxoneBeleuchtung, Rollläden/Jalousie, Heizung/Klima, Multiroom, Taster, Wetterstation, Sensoren, ...kabelgebunden: 6-adrig (Loxone Tree)
    drahtlos: 868,3MHz (Loxone Air)
    zentralKNX, DMX, EnOcean, ...MiniserverMiniserver-
    ZigBeePhilips Hue (Signify), Osram Lightify (eingestellt), IKEA TRÅDFRIBeleuchtung, Tasterdrahtlos: 868,3MHzdezentralSubsystem, Einbindung in viele Systeme--Alexa, Google Assistant, Homekit
    Z-Wave (plus)Fibaro, Danfoss, Popp, Steinel, ...Beleuchtung, Rollläden/Jaloisien, Heizung, Taster, Sensoren, ...drahtlos: 868,3MHzzentral---Alexa, Google Assistant, Homekit
    WizSignifyBeleuchtung, Tasterdrahtlos: 2,4GHz (Wi-Fi 4, Bluetooth)dezentralSubsystem, Einbindung in viele System (z. B. IFTTT, Conrad Connect, Enki)--Alexa, Google Assistant, Siri

    Im nächsten Schritt steht die Auswahl einer für die eigenen Ansprüche geeigneten Server-Lösung an.