Zentral oder Dezentral?
Diese Frage stellt sich bei vielen Systemen nicht, dort ist nur eine zentrale Logik möglich. Anders sieht es z. B. bei KNX aus, in diesem System kommunizieren die einzelnen zentralen und dezentralen Komponenten ohne zentrale Serverinstanz direkt miteinander. Viele KNX-Komponenten bringen einzelne logische Grundverknüpfungen wie UND und ODER mit und ermöglichen so die Realisierung einer dezentralen Logik.
Der Funktionsumfang ist ausreichend um einfache Funktionen zu umzusetzen, wie z. B. die Beleuchtungssteuerung bei Anwesenheit einer Person oder die automatische Beschattungssteuerung. Dadurch wird eine eingeschränkte Funktion des Hauses auch bei Ausfall der zentralen Logikengine ermöglicht.
Komplexere Logiken werden auch bei KNX mit einer Logikengine realisiert. Um die Ausfallsicherheit des Systems zu gewährleisten wird häufig zwei stufig vorgegangen. Die Basisfunktionen sind dezentral realisiert und der erweiterte Funktionsumfang „übersteuert“ die Basislogik. Ein Beispiel auf dem Flur und im Badezimmer soll Nachts das Licht nur stark gedimmt automatisch eingeschaltet werden, um die Augen nicht zu blenden. Der Ablauf könnte nun wie folgt sein: Wird der Flur betreten sendet der Präsenzmelder den Befehl „Licht ein“. Die zentrale Logik erkennt ebenfalls den Befehl „Licht ein auf dem Flur“ und schickt beim Zustand „schlafen“ den Befehl „Dimmwert 10%“ zum Dimmer. Dies geschieht so schnell hintereinander, dass das Licht nicht kurz aufblitzt o.ä. sondern praktisch direkt auf 10% gedimmt wird. Angenommen es fällt die zentrale Logik aus, funktioniert weiterhin das automatische Einschalten, nur die Komfortfunktion des gedimmten Einschaltens fällt weg.
Kein Licht ohne Schatten, die „doppelte“ Logik erschwert die Fehlersuche. Außerdem werden Fehlfunktionen begünstigt, falls dezentral etwas umgesetzt wurde, was später zentral anders gelöst wurde. Eine genaue Dokumentation der Logiken erhält bei dieser Art der Realisierung eine besondere Bedeutung.